Streitbarer Rebell im Priesterrock
Rund 60 Teilnehmer konnte Albert Schrempp am vergangenen Sonntag in Haslach zur jährlichen Kulturwanderung „Schätze unserer Nachbarn“ des Bezirks Kinzigtal begrüßen. Am Heinrich Hansjakob Denkmal von Armin Göhringer aus Zell übernahm Referent und Hansjakob Experte Alois Krafzcyk die Führung und wusste zum Auftakt von einem Menschen „mit allen Ecken und Kanten“ zu berichten, der in seinem Leben „74 Bücher mit einer Auflage von über 1 Million Exemplaren allein in Baden“ veröffentlicht hat.
Vorbei an „Höllenhund“ (vom Fehrenbacher Hof) und „D’Schatzsucherin von de Heidburg“ erreichte man in Hofstetten das Landgasthaus „Drei Schneeballen“, an der wichtigen ehemaligen Straßenverbindung übers Biereck nach Elzach gelegen. Hier verbrachte Hansjakob ab 1886 jedes Jahr seinen Urlaub in einer Ferienwohnung. Er war ein häufiger und gern gesehener Gast, der Hofstetten als sein „Paradies“ bezeichnete.
Von hier war es nicht mehr weit hinauf zur Grabkapelle mit Gruft auf der „Brand“, einer kleinen Anhöhe oberhalb mit Blick auf Haslach und Welschbollenbach. Der erzbischöfliche Baudirektor Max Meckel, Glasmaler Professor Fritz Geiges und Holzbildhauer Josef Dettlinger errichteten 1901-1903 ein Kleinod der sakralen Baukunst. Mit einer steinernen Ruhebank, die „der Ruhe eines Ruhelosen“ gewidmet ist.
Über den Bächlewald führte uns der Weg zurück nach Haslach zum „Freihof“, dem Alterssitz Hansjakobs ab 1913 nach seiner Pensionierung. Heimkehr „um daheim zu bleiben bis zum Sterben“. „Am Ende des Lebens frei von allen Zwängen sein“. Hier erwies sich Krafzcyk als versierter Kenner und arbeitete ausdrucksvoll die verschiedenen Facetten und Widersprüche der Persönlichkeit Hansjakobs heraus. Kinderhimmel, Priesterzeit in St. Peter, Lehrer in Donaueschingen und Waldshut, Gründer der ersten badischen Winzergenossenschaft in Hagnau und Landtagsabgeordneter, aber auch Schwermütigkeit und Nervenkrankheit mit Selbsteinweisung in die Illenau, mehrere Gefängnisstrafen und Konflikte mit der kirchlichen Obrigkeit zeichneten den streitbaren Rebellen im Priesterrock aus.
Jean-Philippe Naudet bedankte sich unter langanhaltendem Beifall bei Krafzcyk für den umfassenden Überblick über das Leben und die Werke Hansjakobs und überreichte ihm als Dankeschön ein „Weinpräsent“ für seine gelungenen und umfassenden Ausführungen.


